Altersreform
alliance F fordert Bundesrat und Parlament auf, die Benachteiligungen der Frauen im Erwerbsleben und der Altersvorsorge im Rahmen der Reformvorlage zu beheben.

Die politischen Parteien und zahlreiche Verbände – insgesamt rund 60 Männer und gerade mal 5 Frauen - waren am 27. Oktober an den runden Tisch von Bundesrat Alain Berset eingeladen, um die Reformschritte für die Neuauflage der gescheiterten Altersreform 2020 zu besprechen. Die erste Nachauswertung der Abstimmung hat ergeben, dass Frauen die Vorlage überdurchschnittlich häufig abgelehnt haben. Umso wichtiger ist es darum, dass die berechtigten Anliegen und Bedenken der Frauen und ihrer Organisationen bei einer neuen Reformvorlage besser berücksichtigt werden. Frauen sind im Alter häufig finanziell schlecht gestellt. Dies nicht selber verschuldet, sondern aufgrund von Konstruktionsfehlern im System, einer nicht mehr zeitgemässen Förderung des Ehegattenmodells sowie diskriminierender Lohnunterschiede während des Erwerbslebens, die sich nochmals in tieferen Renten niederschlagen.

Unsere Forderungen:

1. Linearer Koordinationsabzug oder Abschaffung des Koordinationsabzugs

Der fixe Koordinationsabzug ist ein Konstruktionsfehler im Vorsorgesystem. Er benachteiligt Erwerbstätige mit kleinen Einkommen, Teilzeitbeschäftige und alle Paare, die sich Erwerbs- und Familienarbeit aufteilen. Sie erhalten kaum Arbeitgeberbeiträge für die Altersvorsorge. Frauen sind davon überdurchschnittlich häufig, und in Kombination von Teilzeit und tieferen Löhnen umso heftiger betroffen. Der Koordinationsabzug muss darum fair ausgestaltet oder abgeschafft werden.

2. Verabschiedung der Vorlage zur Lohngleichheit

Frauen verdienen bereits beim Berufseinstieg unerklärbare 7% weniger als ihre Kollegen mit identischen Ausbildungen, Kenntnissen; und das in denselben Berufen und Tätigkeiten. Wir erwarten vom Parlament die Verabschiedung der Vorlage zur Lohngleichheit (Revision des Gleichstellungsgesetzes) und die Umsetzung des verfassungsmässigen Anspruchs von gleichem Lohn für gleiche Arbeit.

3. Aufwertung der Frauenrenten

Im Rahmen einer Neuauflage der Altersreform sollen die aufgrund der Lohndiskriminierung und der Fehlkonstruktion des Koordinationsabzugs in der 2. Säule tieferen Renten der Frauen um einen Faktor aufgewertet werden, der die Benachteiligung finanziell korrigiert, so dass auch Frauen im Alter ihre verdienten Renten erhalten.

4. Splitting der BVG-Beiträge und IV-/Altersleistungen von Ehepartnern

Es ist nicht ersichtlich, weshalb die Pensionskassenbeiträge bei Ehepartnern immer noch als „private Vorsorgegelder“ gelten und nicht beiden je hälftig auf ein Konto gutgeschrieben werden, so wie das auch in der AHV gehandhabt wird. Das heutige System benachteiligt den/die Ehepartner/-in, die weniger Erwerbslohn bezieht und mehr Familienarbeit leistet: z.B. bei einer Invalidität vor der Pensionierung; und auch im Alter, wenn sie/er länger lebt. In der nach wie vor vorherrschenden Arbeitsteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit sind es zu 90% die Frauen, welche benachteiligt werden. Das widerspricht der Gleichstellung von Frau und Mann in der Ehe.